xClouD, Boosteroid und keine Lösung für Warzone

Wer mich kennt weiß, dass ich gerne mal etwas neues ausprobiere. Da ich zur Zeit in meiner Heimat in Süddeutschland bin und meine geliebte XBOX One nicht mehr in den Koffer gepasst hat, habe ich nach einer Alternative gesucht, um mit den Jungs dennoch CoD Warzone spielen zu können.

xCloud steht leider noch am Anfang

Es lag ziemlich nahe, dass ich für dieses Vorhaben den Microsoft internen Streaming-Dienst nutzen sollte, über den sich die Spiele von der eigenen XBOX auf das Android Telefon einfach streamen lassen. Quasi die Gaming-Cloud im eigenen Netzwerk. Als Informatiker mit Gigabit Anschluss in meiner Hamburger Wohnung dachte ich, die ganze Idee wäre ein einfaches Unterfangen.

Doch beim ersten Versuch merkte ich schnell, dass der Microsoft Service noch lange nicht ausgereift ist. Das Bild der XBOX kam sehr verpixelt auf meinem Telefon an und der Ton war nicht mehr, als ein lautes Rauschen. Egal ob über Mobilfunk, W-Lan oder Ethernet-Kabel, das zocken war auf dem kleinen Smartphone nicht wirklich möglich. Einziger Pluspunkt war die volle Funktionalität des XBOX-Controllers, den ich an das Android Smartphone per Bluetooth gekoppelt hatte. Aber dennoch, so konnte ich eindeutig nicht zocken, also musste eine andere Lösung her. Übrigens, auch mit der Idee, die XBOX-App über “BlueStacks” direkt auf dem MacBook laufen zu lassen, flog ich auf die Nase.

Bei der Suche nach einem geeigneten Cloudgaming Service für CoD Warzone wurde ich bitter enttäuscht. Weder Google Stadia noch nVidia oder einer der anderen großen Anbieter hatte das Game in seiner Spieleliste. Jedoch gab es eine einzige Ausnahme: Boosteroid. Der Silberstreif am Horizont. Eher unscheinbar im eigenen Forum verkündete die Firma, dass sich auf ihren Cloud-Server auch CoD Warzone spielen lässt. Ohne viel nachzudenken eröffnete ich ein Konto, klickte mir eine der Cloud-Maschinen zusammen und startete das Spiel. Die Aufmachung von Boosteroid ist übersichtlich und schlicht gehalten. Beim starten eines der Spiele, öffnet sich eine klassische Virtuelle Maschine auf Windows Basis und dort war es, Warzone für Windows. Mein Urlaub ist gerettet, dachte ich zumindest.

Boosteroid, tolle Idee, schlechte Umsetzung

Boosteroid, der Name steht für alles andere als Boost, denn ich konnte genau ein einziges Mal auf der Virtuellen Maschine spiele. Mein erster Test von Warzone auf Boosterroid war okay. Ich hätte gesagt ausreichend, um mal zum Spaß eine kleine Runde “Beutegeld” zu spielen. Aber jedes Mal, wenn ich den Cloud-Service ein weiteres Mal nutzen wollte, hatte ich eine so schlechte Verbindung, dass quasi gar nichts mehr ging. Ein trauriges Symbol in der rechten oberen Ecke zeigte immer: “poor connection” und der Cloudgaming PC lieferte mir nicht mehr als ein verpixeltes Bild und eine unspielbare Version von Warzone.

Ich versuchte alles, von unterschiedlichen Netzwerken bei Freunden bis hin zu sämtlichen Anschlüsse, die ich irgendwie zum Internet zur Verfügung hatte, leider ohne Erfolg. Meine Netzwerkverbindung selbst war immer in bestem Zustand, aber Boosteroid gab mir in ihrem internen Speedtest nicht mehr als 1Mbit!!? – Zu wenig für Cloud-Gaming.

Der Support verwies mich immer nur darauf, dass ihre Server zu weit entfernt sind und ich daher eine schlechte Verbindung habe. Der nächste Server der Firma steht in Frankreich, man sollte meinen, dass das in Zeiten von Glasfaser kein Problem mehr darstellen kann, aber bei Boosteroid tut es das. Wer daher plant, in Deutschland den Service zu nutzen, dem kann ich getrost davon abraten. Auch Geld-zurück oder ähnliches kann man sich bei Boosteroid abschminken.

Zusammenfassend kann ich sagen, Boosteroid macht optisch etwas her und scheint ein Schritt in die richtige Richtung zu sein, jedoch scheinbar ein Service, der sich zur Zeit einfach nicht nutzen lässt. Zumindest nicht für Kunden aus Deutschland. Aber wer weiß, vielleicht bekommen die Entwickler der Firma auch dieses Problem noch in den Griff.

Paperspace, ein alter Klassiker

Es wäre gelacht, wenn ich mich von so einer Lappalie bereits hätte abschrecken lassen. Nach dem kürzlichen Blick auf eine Windows VM suchte ich in meinem Passwortmanager nach einem alten Bekannten. Paperspace! – Hier hatte ich vor einiger Zeit schon einmal einige Maschinen zu Testzwecken laufen und war relativ begeistert. Wieso nicht den Service auch für Cloud-Gaming nutzen?

Ruck-Zuck klickte ich mir einen der Standard-Server zusammen und installierte CoD Warzone. Es schien auch zu perfekt zu laufen, bis mir nach dem Start ein Direct-X Fehler ins Gesicht gesprungen ist. Ein kurzer Blick in die Ausstattung verriet mir: Unpassende Grafikkarte samt Treiber, mist! – Ich hätte mir auch einen Server mit dedizierter Grafikkarte und besserem Leistungsspektrum buchen können, aber hierfür hätte ich mich erst freischalten lassen müssen.

Alles zu viel Aufwand für eine kleine Zockerrunde im Urlaub. Ich fuhr auch die VM bei Paperspace wieder runter und war etwas frustriert, kann es so schwer sein von unterwegs zu streamen?

Abends wieder zuhause angekommen probierte ich erneut den direkten Stream von meiner XBOX zuhause auf mein Android Smartphone. Dank USB-C Hub hatte ich eine direkte Kabelverbindung und das Bild auf einem HDMI Monitor. Und siehe da, es funktionierte. Nicht besonders gut, doch irgendwie ausreichend für den dritten Platz und 5 Kills im Modus Beutegeld. Dennoch war das ganze kein Sieg für mich, denn es sollte bei diesem einen bleiben. Am nächsten Tag lief auch der xCloud Stream nicht mehr und eine Verbindung zu meiner XBOX war nicht mehr möglich. Ich tüftelte noch ein wenig an meiner VPN Verbindung und startete einen letzten Versuch mit dem Programm One Cast, aber diesen Versuch erzähle ich ein anderes mal. Eines ist mir im Nachhinein auf jeden Fall bewusst geworden, man sollte den Urlaub vielleicht einfach nutzen, um sich zu entspannen und nicht um mit Freunden zu zocken ;-).