Politische Werte und Überzeugungen

Warum ich politische Werte und Überzeugungen aktuell als falsch empfinde und sie die Meinungsfreiheit gefährden.

Seit ich in Hamburg wohne, werde ich weit öfter mit den Überzeugungen meiner Mitmenschen konfrontiert als früher. Während ich in Süddeutschland das Gefühl hatte, dass es dort leider eine eher rechts angehauchte aber überwiegen private Einstellung in der breiten Masse gab, werde ich hier im kühlen Norden mit stark dominierender Linkspolitik geradezu überhäuft. Das scheint grundsätzlich nicht verkehrt zu sein, wirklich gut ist es aber aus meiner Sicht auch nicht. Auf mich wirkt diese übermäßige Rechtschaffenheit nicht nur scheinheilig, sondern auch mehr wie ein Deckmantel für Extremisten.

Ich vermeide es in der Regel, mich öffentlich zu politischen Themen zu äußern. Aus dem relativ einfachen Grund, dass es leider oft zu Problemen führt. Eine eigene Meinung zu gewissen Themen zu haben, wird in der heutigen Zeit als Todsünde geahndet. Auch wenn jedem eine freie Meinung in diesem Land garantiert wird, ist die Meinungsfreiheit gesellschaftlich nicht immer gestattet. Statt einer guten Kommunikation und Diskussion, folgt hier oft eine Stigmatisierung. Auch wenn ich das Gefühl habe, mich mit meiner politischen Einstellung genau in der Mitte zu befinden, habe ich die Erfahrung gemacht, dass andere meinen Standpunkt nicht genau dort platzieren würden.

Um auf den Anfang zurück zu kommen, möchte ich einen kleinen Einblick zu meiner persönlichen Auffassung der beiden sich gegenüberstehenden politischen Lager geben. Wie bereits erwähnt habe ich in der Gesellschaft bisher überwiegend eine leichte Ablehnung gegenüber Fremden wahrgenommen. Diese Ablehnung ist in manchen Fällen nachvollziehbar aber pauschal nicht gut zu heißen und aus meiner heutigen Sicht würde ich sagen, dass dieses Verhalten aus einer Mischung von AngstVerallgemeinerung und einer begrenzten Sichtweise auf die Welt hervorgerufen wird. Dieser “Rechts-Ruck” wie ihn die Medien nennen, ist daher nichts, dass zurzeit durch das Land geht, sondern ein bereits seit langem anhaltender Zustand, der erst jetzt thematisiert wird.

Aber wieso gerade jetzt?

Es gibt diverse Arten von Modeerscheinungen und alle paar Jahre ist etwas anderes Hip. Ich würde sagen, aktuell ist es gewaltig in Mode gekommen, sich für etwas einzusetzen. Persönlich finde ich es gut, dass veraltete Schemata verändert werden und dass ein gesellschaftlicher Wandel in Bezug auf VerantwortungSolidarität und Nachhaltigkeit Einzug hält. Wichtig ist auch, dass sich an dieser Veränderung möglichst viele Menschen beteiligen.

Schön und gut, das klingt doch alles nach einer tollen Zukunft.
Nein, tut es nicht!

Ich habe das Gefühl, dass sich leider immer mehr Menschen politisch entweder sehr weit nach rechts oder sehr weit nach links bewegen.
– Und sie bewegen sich immer mehr von einander weg!

Ich schätze an den vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten, denen ich hier in Hamburg begegnet bin, dass die meisten eine sehr offene und vielfältige Kultur begrüßen und diese auch Leben. Das funktioniert auch ausgesprochen super, bis zu dem Punkt, an dem man aufhört ihrer Meinung zu sein. Ich muss an dieser Stelle nicht erwähnen, dass eine Ablehnung zu fremden Sichtweisen nicht gerade für große Akzeptant steht. Gerade junge Menschen scheinen teilweise krankhaft an ihren Werten festhalten zu wollen, um der kritischen Gesellschaft gerecht zu werden. Für mich liegt jedoch immer noch die Realität zwischen dem Ideal und dessen Anwendbarkeit. Genau hier stoße ich oft auf Kritik. Ich weiß es nicht ob dieses Verhalten durch mangelndes Verständnis oder durch blinde Wuthervorgerufen wird. Auch wenn man es von diesen vielen weltoffenen Menschen nicht erwarten würde, haben einige Trittbrettfahrer sich scheinbar genau das zur Aufgabe gemacht. Denn genau diese jungen links-liberalen zeigen keine Akzeptanz gegenüber anderen Ansichten, obwohl sie sich selbst in der Gesellschaft als Vorzeigegeneration darstellen.

An dieser Stelle komme ich an einen Punkt, der mir nicht so richtig behagt.Während in den Medien auf so manchen rechtspolitischen Kleinigkeiten großspurig herumgehackt wird, habe ich das Gefühl, dass sich niemand traut ein Wort gegen diese neue Art der Weltverbesserer zu äußern. Machen diese Personen etwa alles richtig?

Schnell habe ich gelernt warum dem so ist. Sie lassen einem keine Chance für Kritik und akzeptieren keine Alternativen. Man wird von Ihnen abgestempelt.

Bei jeder Diskussion mit einem dieser Menschen wurde ich meist direkt in eine Ihrer Schubladen gesteckt und mit passenden Klischees geohrfeigt, manchmal wurde mir sogar etwas in den Mund gelegt, dass ich nie auch nur annähernd gesagt hatte. Mir kam es vor als ob sich einige regelrecht daran ergötzen, mich in der Öffentlichkeit als den “bösen” abstempeln zu können.

Interessant, dass genau diese Art von Menschen, die gesellschaftliche Werte hoch halten wollen und Akzeptanz predigen, bei der Auslebung dagegen verstoßen.

In vielen der Diskussionen kamen auch immer schnell Gleichgesinnte ihrem Vertreter zur Hilfe, um dessen Argumente zu stärken, bzw. um diese Aussagen so oft zu wiederholen bis sie Gesetz waren. Man kann natürlich jedes Thema totreden aber alleine der Aspekt, sich selbst anzumaßen eine bessere Ansicht als seine Mitmenschen zu haben, ist mir ein Dorn im Auge. Wer auch immer sich subtil über die anderen stellt und dabei kategorisiert, ist für mich eindeutig fehl am Platz — gerade, wenn es um Weltverbesserung geht.

Ich möchte an dieser Stelle ein paar kleine Beispiele nennen. Diese haben sich in Bezug auf diverse Themen wiederholt, ganz egal ob es dabei um Rassismus, Kapitalismus, Polizeigewalt oder Fleischkonsum ging. Manchmal war der Auslöser auch nur, weil ich ein Nestle Produkt gekauft habe. Bei all jenen Diskussionen habe ich mir zu meist ungefragt die Meinungen und Gründe der Überzeugung anhören dürfen. Diese übertrieben gewissenhafte Arbeit ist schön und ich unterstütze auch viele dieser Meinungen. Sobald ich jedoch ein Argument genannt hatte, welches nicht in das Raster dieser Menschen passte oder gegen deren Ansichten verstieß, wurde ich umgehend dafür bestraft. Meine Meinung war offensichtlich nicht akzeptabel und blieb sogar oft unkommentiert. Alles was folgte waren unter anderem das Entfolgen oder Entfernen aus der Freundesliste und zum Teil sogar das direkte blockieren auf den Sozialen-Netzwerken. Kommunikation sieht für mich etwas anders aus.

Ist so ein Verhalten tragbar?

An dieser Stelle wurde mir klar, dass man mich als Person auf meine Meinung reduziert hatte und ihr sogar einen höheren Stellenwert zugeschrieben wurde, als mir als Mensch. Für mich eine erschreckende Erfahrung.

Habe ich mich falsch verhalten oder sind meine Äußerungen zu hart gewesen?

Ich bin mir nicht sicher, aber ich denke, daran lag es nicht. Vielleicht lag es gelegentlich an meiner Art von Humor, was allerdings nur zeigen würde, wie verbissen einige in ihrer Ansicht sind. Ich schätze, niemand bekommt gerne Gegenwind für etwas bei dem er in seinen Kreisen sonst immer die größte Anerkennung erhält. Ein wunder Punkt vielleicht?

Jegliches derartige Verhalten erachte ich als sehr Schade, da ich glaube, dass ich insgesamt kein schlechter Mensch bin, obwohl diese Personen mir genau dieses Gefühl vermittelt haben und vermutlich auch vermitteln wollten. Ich empfinde es zudem als ironisch, wenn Mitglieder der Willkommenskultur mir auf der einen Seite ihre festen Werte vermitteln wollen, jedoch auf der anderen Seite eine Art der Ausgrenzung an mir praktizieren. Ist diese Härte von linkspolitischer Überzeugung nicht schon linksextrem? Falls ja, wäre das äußerst bedenklich, denn Extreme sind in keinem Fall gut und ich stelle mir hier zusätzlich die Frage, wie sehr dieses unangebrachte Verhalten den Rechtsextremismus schürt?

Die meiste Zeit bin ich bereit für Kommunikation und Diskussionen, dabei lasse ich mich auch gerne von etwas überzeugen. Wenn es mein Gegenüber jedoch nicht schafft, mir die Vorteile von etwas auf einem einfachen Weg aufzuzeigen, möchte ich so lange die Sinnhaftigkeit von etwas hinterfragen, bis ich diesen Standpunkt verstehen kann.

Dieser Modetrend, überzeugt von etwas zu sein und es immer durchzusetzen zu wollen, weil man glaubt seine Meinung sei die einzig Richtige, ist aus meiner Sicht keine positive Veränderung, sondern eher ein äußerst gefährlicher Rückschritt. Nur weil eine Meinung gerade auf offene Ohren trifft und der Freundeskreis einen mit dieser Meinung wertschätzt, muss diese nicht auch automatisch gut sein. Das Leben in so einer “Blase” ist leider genau dasselbe Prinzip, wie es auch auf der rechten politischen Seite vor sich geht. Es ist interessant, wie parallel manche Gegensätze verlaufen können.

Gerade in einer so polarisierenden politischen Lage wie sie aktuell vorherrscht, ist es umso wichtiger, jeder Ansicht einen Platz für Diskussioneinzuräumen. Ich glaube, dass wir nur mit Kompromissen langfristig eine gute Gesamtsituation schaffen können.

Wenn wir statt der offenen Kommunikation lieber die Methode der festen Überzeugung anwenden, werden wir immer nur Konfrontationen schaffen. Und wenn wir nicht fähig sind, gemeinsam die Werte einer Demokratie zu leben und diese auch genauso umzusetzen, werden wir in Zukunft eine noch größere Spaltung erhalten. Aus meiner Sicht bedeutet wahre Akzeptanz, auch unangenehmen Meinungen Platz zu geben um Fehler zu erkennen und diese Dinge verbessern zu können. Anstatt dieser politischen Diskussionen würde ich mir eine Sache mehr denn je wünschen. Gerade deshalb, da es einige unserer Probleme von selbst lösen würde. Aus dem Grund sollten wir uns alle auf ein noch viel wichtigeres Thema konzentrieren:

– die Vernunft.