Wie ich trotz emotionaler Isolation versuche zu mir selbst zu finden.

Ich bin mir unsicher. Unsicher wie ich mich korrekt ausdrücke, um in kein Fettnäpfchen zu treten. Ich bin mir unsicher wie ich etwas sage ohne jemanden damit zu verletzen oder besser gesagt, wie ich mich selbst nicht damit verletze.

Selbst die Menschen, die viel Zeit mit mir verbracht haben, schätzen mich oft anders ein, als ich eigentlich bin. Die Welt ist Facettenreich und mit ihr auch die Vielzahl an Charakteren. Trotzdem hat man jedoch meist das Gefühl, ein Stereotyp folgt dem nächsten. Ich würde sagen, mit diesem Verhalten treten wir unser eigenes Bewusstsein mit Füßen. Und wenn wir nicht endlich lernen uns gegenüber anderen zu öffnen, sind wir bald eine Welt voller depressiverEinzelkämpfer.

Ich kenne nur wenig Menschen die sich bewusst Zeit für etwas nehmen.

Wann hast du dir das letzte Mal die Zeit für etwas genommen?

Zeit für einen Mitmenschen? Kein üblicher Smalltalk sondern ein persönliches Gespräch ohne Ablenkung. Ein Gespräch über private Themen und um jemand anderen wirklich kennen zu lernen.

Während ich so durch Hamburgs Innenstadt laufe, betrachte ich gerne die Gesichter der Menschen, die mir entgegenkommen. Sie wirken zum Teil gehetzt oder genervt bis scheinbar regungslos. Vereinzelt erkenne ich sogar mal ein dezentes lächeln. Eines haben jedoch alle Personen gemeinsam. Niemand lässt einen so richtig hinter die Fassade blicken. Vermutlich ein gesellschaftlicher Selbstschutz. Wer sich öffnet, würde sich quasi nackt der Öffentlichkeit zur Schau stellen und sich damit verwundbar machen. Also verstecken wir uns so gut es geht. Bildlich gesprochen, spielen wir alle in einem riesigen Theater und schlüpfen in eine Rolle, die wir uns selbstausgesucht haben. Die meisten entscheiden sich selbstverständlich für die Hauptrolle. Aber mal Spaß bei Seite…

Oft wurde ich schon darauf angesprochen, dass ich eine tolle und selbstbewusste Ausstrahlung habe. Auch wenn mir das sehr schmeichelt, würde ich mich selbst nicht in diese Schublade stecken. Ich tue mich schwer anderen zu Vertrauen. Tatsächlich würde ich behaupten, dass ich außer meinen Eltern noch nie jemandem vollständig Vertrauen konnte. Was in erster Linie nicht schlimm klingt, zieht jedoch eine lange Reihe an negativen Eigenschaften mit sich. Menschen, die so etwas nachvollziehen können, würden vermutlich sagen: Man schränkt sich selbst in allen Bereichen des Lebens ein. Mit dem was man sagt, mit dem was man tut und vor allem wie sehr man andere in sein eigenes Leben lässt. Ohne Vertrauen ist man quasi dazu verdammt alleine in seinem eigenen Theater zu spielen.

Um das Thema einmal mit meinem eigenen Empfinden aufzugreifen, würde ich es wie folgt beschreiben. Bei allem was ich tue habe ich das Gefühl, ich kann nicht frei handeln. Ich möchte immer, dass andere es für gut empfinden was ich tue. Ich will Kritik und Spott auf jeden Fall vermeidenund riskiere daher keinen Fehler. Dieses Gefühl verspüre ich jedoch nur mir selbst gegenüber. Vermutlich auf Grund meiner Erfahrungen. Ironischer weise stehe ich problemlos für andere ein oder vertrete eine Meinung vollkommen selbstbewusst ohne darüber nachzudenken. Aber jedes noch so persönliche Thema, würde ich am liebsten weiträumig umfahren. Vermutlich hat es mir bei anderen immer an menschlichem Zusammenhalt und echter Loyalität gemangelt. Es ist für mich bewundernswert, wenn ich darüber nachdenke, wie viele Menschen sich jedoch mir schon anvertraut haben. Und das meist einfach so….

Was kann man also tun anstatt sich selbst zu knebeln um nicht weiter verletzt zu werden? Ich glaube man sollte Dinge so oft wiederholen bis man sich an seinen eigenen Standpunkt gewöhnt hat und Kritik oder persönliche offensiven keine Rolle mehr spielen. Ich habe für mich erkannt, dass es gut ist immer eine Schippe nach zu legen. Wenn ich heute etwas Persönliches von mir preis gebe und mich jemand unangenehm kritisiert, wiederhole ich das ganze so oft bis mir die Kritik gleichgültig geworden oder in Anerkennung umgeschlagen ist. Mit jedem Schritt, den man so voran kommt, steigt das eigene Tempo. Wenn man nach einiger Zeit dann allen anderen davongerannt ist, kann man erkennen, dass das eigentlich Ziel war, sich selbst zu finden.
Um es noch einmal Bildlich auszudrücken, würde ich sagen, dass es sowieso egal ist ob es tosenden Beifall für eine gut gespielte Rolle gibt. Denn sobald der Vorhang sich wieder schließt, spielt all das sowieso keine Rolle mehr…


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